Good Practice Chemie-Ingenieurschule Graz
DIE SCHULE:
Chemie-Ingenieurschule Graz
Kolleg für Chemie
Triester Straße 361, 8055 Graz
Tel.: 0316 38 11 53
Fax: DW 20
E-Mail: office@chemieschule.at
Website: www.chemieschule.at
DIE AKTEUR/INNEN:
Schulleiterin: Dr. Andrea Hickel
Andrea Hickel, geb. 1967, absolvierte ein Technisches Chemie-Studium an der Technischen Universität in Graz, das sie mit ihrer Dissertation im Bereich Biokatalyse im Jahre 1997 abschloss. Nach einem Forschungsaufenthalt im Department of Chemical Engineering, University of California in Berkeley, USA, wurde sie 1999 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Biophysik und Nanosystemforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, sowie kurzzeitig auch wissenschaftliche Mitarbeiterin im Department of Biochemistry, University of Oxford, GB. Seit 2000 ist sie als Lehrbeauftragte für Biochemie im Kolleg tätig, wo sie 2003 die Leitung übernahm.
Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Individualisierung im Unterricht, Kontakte zwischen Industrie/Wirtschaft und dem Kolleg, sowie die Schaffung eines angenehmen Lebensraumes für alle an der Schule Beteiligten.
SQPM des Kollegs ist die Schulleiterin (alle bürokratischen Erfordernisse werden von der Schulleitung übernommen), aber es gibt ein Team an Lehrenden, die voll an der Umsetzung beteiligt sind und das QM in der Praxis stark unterstützen:
SQPMs- das QM-Team
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v.l.n.r.: Dr. Ingeborg FILL, Ing. Peter KAINZ, Dr. Hildegard LECHNER, Dr. Siegfried SCHMUCK
Weitere Infos finden Sie auf der Schulhomepage.
DIE GUTE PRAXIS, dargestellt entlang einiger Fragen:
1. Können Sie uns Ihre Schule in wenigen Sätzen kurz vorstellen?
A. Hickel: Die Chemie-Ingenieurschule Graz ist eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht, an der nach dem Bundeslehrplan „Kolleg für Chemie“ unterrichtet wird. Die Studierendenzahl beträgt 50. Das Kolleg zeichnet sich durch eine kurze, d.h. zweijährige, und sehr praxisbezogene Ausbildung aus. Ein Großteil der Ausbildung findet in den Laboratorien statt, was eine große praktische Kompetenz garantiert. Die breitgefächerte, theoretische Basisausbildung erfolgt durch einen hochqualifizierten Lehrkörper bestehend aus Fachleuten, die hauptberuflich in ihrem Spezialgebiet in der Industrie, in öffentlichen Ämtern oder an Universitäten tätig sind. Dies garantiert ein hohes fachliches Niveau und zeitgemäße Lehrinhalte. Projektarbeiten mit industriellen Partnern ermöglichen schon in der Ausbildung das Kennenlernen realer Arbeitssituationen und die Kontaktaufnahme mit möglichen zukünftigen Arbeitgebern/innen. Es gibt 4 vollbeschäftigte Lehrer/innen an der Schule (jene im SQPM Team) sowie 14 Teilzeitbeschäftigte, die zwischen 1 und 5 Stunden unterrichten.
Individuelle persönliche Betreuung und ein von Offenheit, Achtung und Freundlichkeit getragener Umgang miteinander ermöglichen eine familiäre Atmosphäre, in der neben Fachkompetenz auch Eigeninitiative, Teamfähigkeit und Kommunikationsbereitschaft gefördert werden. Ganz nach dem Leitsatz des Kollegs „Bei uns stimmt die Chemie“. Siehe auch: http://www.chemieschule.at/leitbild.aspx
Das Besondere an der Chemie-Ingenieurschule ist das Schulklima. Es herrscht eine sehr familiäre Stimmung mit sehr vielen persönlichen Kontakten – sowohl zwischen den Studierenden untereinander als auch zwischen den Studierenden und Lehrenden.
Der hohe Anteil an Laborarbeit ermöglicht einen extrem hohen Praxisbezug der Ausbildung und wird sowohl von den Studierenden und Lehrenden als auch von den späteren Arbeitgebern/innen sehr geschätzt. Erst durch das Arbeiten im Labor werden viele theoretische Inhalte verstanden. Starke Vernetzung der theoretischen Lehrinhalte und der praktischen Anwendungen, d.h. Absprachen der Lehrenden über Lehrinhalte und Zeitplan, führen zu einem umfassenden Verständnis der Lehrinhalte.
Da unsere Schule durch einen privaten Verein erhalten wird, ist der Kontakt zur Wirtschaft essentiell. Dieser Kontakt ermöglicht uns aber nicht nur durch Sponsoringgelder den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten, sondern ermöglicht auch durch Projektarbeiten mit der Industrie Kontakte zwischen Unternehmen und späteren Arbeitnehmern/innen zu knüpfen. Weiters ermöglicht uns dies auch, den Lehrstoff permanent an die Erfordernisse der Industrie anzupassen.
Durch die Kleinheit der Schule ist es aber auch bedingt, dass wir gewisse organisatorische Möglichkeiten nicht haben, die große Schulen haben. So ist z.B. bezahlter Förderunterricht nicht durchführbar, da die Studierendenzahl für die einzelnen Fächer zu gering ist. Auch Förderunterricht für fremdsprachige Teilnehmer/innen ist nicht finanzierbar.
2. Wie ist an Ihrer Schule das Qualitätsmanagement organisiert?
A. Hickel: Die Größe und Struktur unserer Schule (2 Klassen mit 4 hauptamtlichen Lehrer/innen, Anm. ARQA-VET) erlauben es uns, viele organisatorische Erfordernisse sehr unbürokratisch zu erledigen. Es gibt wöchentlich eine Sitzung, in der sowohl längerfristige, strategische Planungen durchgeführt werden als auch aktuell anfallende Probleme besprochen werden. Lehrbeauftragte an der Schule, die nur in geringem Stundenausmaß pro Woche am Kolleg tätig sind (1-5 Wochenstunden), werden regelmäßig per E-Mail informiert und viele Bereiche des Qualitätsmanagements auch in Einzelgesprächen zwischen den Lehrbeauftragten und der Schulleitung, oder den 4 oben genannten Lehrenden, besprochen. Konferenzen zu Themen des QM werden je nach Bedarf durchgeführt.
Evaluierungen in allen für unsere Schule relevanten Bereichen werden regelmäßig durchgeführt, um eine Verbesserung im Sinne eines PDCA – Zyklus zu ermöglichen. Der Q- Bericht für den LSR wird jährlich im Herbst erstellt und ist die Zusammenfassung der Aktivitäten des Jahres.
Die Größe der Schule entspricht einem kleinen KMU, und in gewisser Weise wird die Schule auch so geführt. Unsere Studierenden sind Kunden und Mitwirkende, sie bestimmen in großem Ausmaße was sie erhalten. Studierende und Lehrende verbringen auch sehr viel Zeit außerhalb der Unterrichtszeit in der Schule; dadurch kommt es sowohl zu extra Hilfestellung für die Studierenden durch die Lehrenden als auch zu persönlichen Kontakten und Gesprächen, was die Identifikation mit der Schule verstärkt und auch die schulischen Ergebnisse verbessert. Sowohl Studierende als auch Lehrende bekommen Feedback, das unabhängig von Fragebögen und Zeitfenstern ist und die Qualität des Unterrichts sehr positiv beeinflusst.
3. Hat die Einführung von QIBB Ihre Schule verändert und falls ja, wie?
A. Hickel:
• Klarere Konzeptionierung von Vorhaben
• Sichtbarmachen von Entwicklungen und Erfolgen
• Erhöhung der Kommunikation
• Stärkung des Zusammenhalts im Team
• Schwerpunkt „Individualisierung im Unterricht“ hat vielen Lehrenden Denkanstöße und Veränderungsmöglichkeiten des Unterrichts gezeigt
• Erhöhung der Unterrichtsqualität
• Stärkere Identifikation der Lehrenden mit dem Kolleg
• Stärkere Identifikation der Studierenden mit der Ausbildung
Die Studierenden fühlen sich durch die veränderten Unterrichtsmethoden spezifischer angesprochen, was sowohl den Lernerfolg als auch wiederum das Schulklima verbessert. Auch Lehrende haben jetzt verstärkt das Gefühl, dass der Unterricht besser ankommt und dass sowohl Lehrinhalte als auch Kompetenzen besser vermittelbar sind. Alleine schon diverse „Experimente“ im Unterricht bringen Veränderungen mit sich, auch wenn es im ersten Anlauf nicht immer ein Erfolg ist. Sehr oft bringen dann hinterher Besprechungen mit den Studierenden ein für beide Seiten tolles Ergebnis, was wiederum den Zusammenhalt stärkt.
Der „Spaßfaktor“ am Unterricht wurde für alle erhöht, aber ganz sicher nicht auf Kosten der Inhalte!
4. Was ist aus Ihrer Sicht unbedingt notwendig, damit QIBB gelingt und den Schulalltag nachhaltig verändert?
A. Hickel: Qualitätsmanagement muss wirklich ein Mittel zur Verbesserung der Qualität in der Schule für Studierende und Lehrende bringen, und darf keine zusätzliche bürokratische Belastung sein. Motivierte Lehrende, klare Rahmenbedingungen ohne übertriebenes Berichtswesen und Einengungen der pädagogischen Kreativität, kleine Entwicklungsschritte mit regelmäßiger Überprüfung des Erfolges und klare Erkennbarkeit der Sinnhaftigkeit tragen deutlich zum Gelingen bei.
5. Was sind Ihrer Meinung nach die Stärken von QIBB? Was könnte verbessert werden?
A. Hickel: Bei einem zielgerichteten Einsatz der Instrumente von QIBB, bei dem individuelle Anpassungen für den Schultyp und die spezielle Situation notwendig sind, kann es ein wertvolles Mittel zur effektiven Verbesserung der Unterrichtsqualität sein. Regelmäßige Feedbacks und Evaluierungen (in sinnvollem Ausmaß) können eine Entwicklung sichtbar machen und garantieren. Auch negative Trends können dabei schnell erkannt werden und Gegenmaßnahmen getroffen werden.
Verbesserungspotentiale:
• 2 jähriges Berichtswesen, nicht einjähriges!
• Zu viele Themen auf einmal sind nicht sinnvoll bearbeitbar.
• Großer zusätzlicher zeitlicher Aufwand auch durch das Berichtswesen, der nicht annähernd abgegolten wird.
• Verbesserungspotential bei Formularen.
• Viele Tools sind für eine kleine Schule nicht in der Form anwendbar, da sie entweder statistisch nicht relevante Aussagen geben oder gar nicht durchführbar sind, z.B. Feedbackfragebogen für Lehrende:
1.Die Fragen sind für viele Fächer bei uns nicht anwendbar oder relevant.
2. Bei nur zwei Klassen können nie alle Lehrenden einen Fragebogen am Ende des Semesters ausfüllen lassen. Es wurde probiert, und die letzten Lehrenden bekamen die schlechteste Bewertung, da alle Studierenden schon sehr von den Fragebögen genervt waren.
3. Bei maximal 25 Studierenden in einer Klasse und nur einer Klasse in einer Schulstufe ist die Statistik nicht aussagekräftig.
4. Ein Fragebogen ist bekannterweise die schlechteste Form des Feedbacks. Bei uns wird immer ein Feedback gemacht, aber mit ganz verschiedenen Methoden.

Fragebogen Kontakt-Wirtschaft:
Da dies ein Schwerpunkt der Schule ist war der Fragebogen nicht ganz passend. Daher wurde ein eigener Fragebogen von uns zusammen mit dem Odilieninstitut Graz ausgearbeitet, der auch auf unserer Homepage zu finden ist: www.chemieschule.at (links unten auf der Startseite)
6. Welchen Themen bzw. Projekten werden Sie sich in den nächsten Jahren konkret im Hinblick auf Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung widmen?
A. Hickel
• Individualisierung im Unterricht
Wir haben im Rahmen einer pädagogischen Konferenz in Gruppenarbeit eine Sammlung von diversen Unterrichtsmethoden und deren Auswirkung auf den Unterricht/Lernerfolg erhoben. Der Austausch unter den Lehrenden war sehr interessant, und es ergaben sich sehr gute Diskussionen. Wir werden dies in regelmäßigen Abständen wiederholen und weiterentwickeln, u. a. mit Good Practice Beispielen. Es hat sich herausgestellt, dass nicht alle Unterrichtsformen, seien sie auch noch so gut, für alle Klassen und Fächer anwendbar sind. Langsam entsteht auch eine Art Methodenkoffer für verschiedene Situationen, Gruppendynamiken und Fächer.
Eine schulinterne Weiterbildung für Lehrende ist in diesem Rahmen geplant (SCHILF), aber bei der Größe der Schule fast nicht machbar, da die Anzahl der Teilnehmer/innen zu gering ist. Dies geht nur in Kooperation mit einer anderen Schule, was organisatorische Probleme mit sich bringt.
• Kontakt Industrie / Wirtschaft
Da der Kontakt zur Wirtschaft eine Überlebensfrage für die Schule ist, sowohl in finanzieller als auch fachlich-qualitativer Hinsicht, ist dieser Punkt für uns ein dauerhafter Schwerpunkt, der schon seit jeher bestanden hat. Sowohl Einzelgespräche mit unseren Industriepartnern als auch die Befragung mit Hilfe des Fragebogens und die Projektakquisition für die Ausbildung sind bei uns an der Tagesordnung.
Download gesamtes Beispiel als PDF (691 KB)
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Wir bedanken uns herzlich für die Beantwortung unserer Fragen und die mitgelieferten Informationen.
Das ARQA-VET Team, im März 2009



















