Wer hat was zu sagen: Interview mit Karl Wilbers 

Karl WilbersProf. Dr. Karl Wilbers

Karl Wilbers ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Homepage: www.wipaed.wiso.uni-erlangen.de/Team/Professoren/Prof.-Dr.-Karl-Wilbers.html

1. Lieber Herr Wilbers, vielen Dank, dass Sie uns für ein Interview zur Verfügung stehen. Gemeinsam mit Ihrer Mitarbeiterin Frau Buichl haben Sie ja im Auftrag von ARQA-VET 2010/11 eine Wirksamkeitsanalyse des Peer Review Pilotversuchs im Rahmen von QIBB aus dem Schuljahr 2008/09 durchgeführt. Was waren die – aus Ihrer Sicht - wichtigsten Ergebnisse dieser Analyse?

Ich war neugierig - ja wegen diverser deutscher Erfahrungen sogar skeptisch - ob das österreichische Peer Review in QIBB wirklich Innovationen in Schule anregen kann. Und dann haben wir – in einem mehrstufigen Verfahren – festgestellt, dass 70% der von Peer Reviews angestoßenen Innovationen erfolgreich in der Schule umgesetzt worden sind. Die Peer Reviews haben damit eine bemerkenswert gute Wirksamkeit. Es ist klar, dass der Nutzen für die Schule von den Betroffenen dementsprechend auch recht hoch bewertet wird.

Natürlich gibt es Dinge, die am Peer Review Verfahren verbessert werden können. Die gibt es immer. So existiert durchaus noch eine Kluft zwischen der Peer Review Handbuch-Theorie und der Peer Review Praxis. Darüber hinaus sollte auch das Gesamtverfahren weiterentwickelt werden. So war zum Beispiel die Rolle der SQPM nicht klar genug. Außerdem sollte noch mehr in der Umsetzung der Maßnahmen aufgrund des Peer Review getan werden. Der Aufwand, der in das Peer Review gesteckt wird, darf nicht verpuffen. Die Schulen brauchen mehr Unterstützung beim Follow-Up.

2. Ist das Forschungsteam zu Ergebnissen gekommen, die Sie überrascht haben? Wenn ja, warum bzw. inwiefern?

Ich war von der Wirksamkeit und der recht hohen Akzeptanz in den Kollegien überrascht. Es gibt Elemente im Peer Review – wie die Begegnung der Peers auf gleicher Augenhöhe oder die Freiwilligkeit des Verfahrens – auf die ich das zurückführe. Die Praxis des Peer Reviews, also die konkrete Durchführung und die Einschätzungen in den Schulen, d.h. die Stimmung in den Kollegien, kannte ich überhaupt nicht. Das war sehr interessant zu erfahren.

3. Wir möchten die Ergebnisse Ihrer Analyse für die Weiterentwicklung von Peer Review in QIBB nutzen. Deshalb meine Frage: Könnten Sie die gewonnenen Erkenntnisse aus der Wirksamkeitsanalyse für Ihr eigenes Modell NQS-E (Anm.: Entwicklung und Erprobung eines externen Elements zum Nürnberger Qualitätsmanagement für Schulen) auch nutzen? Und wenn ja, wie?

Die externe Evaluation im Nürnberger Qualitätsmanagement haben wir am Nürnberger Lehrstuhl in enger Zusammenarbeit mit den Schulen der Region entwickelt. Dabei wurden viele Elemente aus anderen Systemen übernommen, gerade auch aus dem Peer Review in QIBB. Den Grundgedanken des Peer Reviews – sich durch kritische Freunde Stärken und Schwächen spiegeln zu lassen – fanden viele Schulleitungen und Qualitätsteams sehr gut, so dass wir das für Nürnberg übernommen haben. Der Einblick in dieses System im Rahmen der Wirksamkeitsanalyse ist daher sehr wertvoll für die weiteren Arbeiten in NQS. Bei der Weiterentwicklung von schulischen QM-Systemen ist für mich wichtig, die Kosten-Nutzen-Relation für die Schulen zu verbessern. Neben vielen Detailverbesserungen verspreche ich mir gute Erträge, wenn wir das Follow-Up besser hinbekommen.

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Das Interview wurde von ARQA-VET im September 2011 geführt.
Danke für das Interview!

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