Wer hat was zu sagen: Interview mit Werner Timischl
Dipl.-Ing. Dr. Univ.Prof. MinR Werner Timischl
ist stellvertretender Leiter der Sektion Berufsbildung, Sport und Erwachsenenbildung und Leiter der Abteilung II/2 (Technische, gewerbliche und kunstgewerbliche Schulen) im BMUKK
1. Lieber Herr Timischl, man kann Sie zu Recht als einen der Gründerväter der QualitätsInitiative BerufsBildung (QIBB) bezeichnen. Die Initiative wird seit 2004 an den österreichischen Schulen umgesetzt. Wenn Sie eine kurze Bilanz ziehen – was ist Ihrer Meinung nach gut gelungen und wo tun sich Entwicklungspotenziale auf?
Worauf wir in der Berufsbildung alle stolz sein können ist, dass es ein breites Qualitätsbewusstsein gibt, von dem die praktisch 100%ige Beteiligung an QIBB getragen wird. Das macht auch den Unterschied zu den bereits vor 2004 vorhandenen Qualitätsinitiativen aus, bei denen sehr ambitionierte Qualitätsmanagementssysteme von einem Geist der „Exklusivität“ umgeben waren. QIBB dagegen ist der anerkannte Standard für Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung geworden, den alle berufsbildenden Schulen umsetzen und damit ihren Kunden und der interessierten Öffentlichkeit zum Ausdruck bringen wollen, dass sie sich durch entsprechende Pflege der Kern- und Supportprozesse um die sichere Erreichung der Bildungsziele bemühen.
Ein erfolgreiches Programm wie QIBB braucht die Köpfe und das Engagement vieler Personen. Stellvertretend für viele, die an der Entwicklung und Implementierung von QIBB beteiligt waren, möchte ich die Landesschulinspektoren/innen und die Direktoren/innen der technischen, gewerblichen und kunstgewerblichen Schulen vor den Vorhang bitten, die sich im Dezember 2004 im Rahmen einer LSI-Konferenz zusammengefunden und beschlossen haben, bis zum Treffen der Generaldirektoren der Berufsbildung im Rahmen der österreichischen Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2006 ein mit dem CQAF (Common Quality Assurance Framework) abgestimmtes QM-System zu entwickeln. Die gesamtösterreichische Konferenz der HTL-Direktorinnen und –Direktoren im Dezember 2005 war ein weiterer wichtiger Meilenstein, bei dem die Vereinbarung zustande kam, QIBB an allen Schulen zu implementieren.
Hilfreich bei der Implementierung war ohne Zweifel, dass die in der Qualitätszielmatrix dargestellten Prozesse sehr realistisch die Schulwirklichkeit abgebildet haben und Instrumente zur Erfassung des Iststandes und zur Verfolgung der Wirkung von getroffenen Maßnahmen auf der QIBB - Plattform zur Verfügung gestellt werden konnten. Ein Erfolgsfaktor war wohl auch, vor allem auf die Selbstevaluation zu setzen und ergänzende bundesweite Schulbereichsziele zu vereinbaren. Die systematische Beobachtung der Wirksamkeit von Maßnahmen, die Auseinandersetzung mit den Evaluationsergebnissen, deren Dokumentation in Qualitätsberichten, die auch entsprechende Schlussfolgerungen für die künftigen Entwicklungsschritte beinhalten, und die Erzeugung von Verbindlichkeiten im Rahmen von Management- und Performance-Reviews zwischen den Managementebenen haben wesentlich dazu beigetragen, dass heute kontinuierlich Verbesserungsprozesse stattfinden. Wichtig ist m.E. auch, dass sich die Schulaufsichtsebene und die Sektion II des BMUKK nicht aus dem in seiner Qualität zu sichernden System herausnimmt, sondern sich auch in seinen Prozessen zum Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung bekennt.
2. Wenn Sie jetzt speziell auf den Bereich der technischen, gewerblichen und kunstgewerblichen Schulen schauen, wie sehen die besonderen Anforderungen eines Qualitätsmanagementsystems wie QIBB im Hinblick auf diese Schulen aus? Worauf muss bei den HTLs besonders Rücksicht genommen werden im Vergleich zu anderen berufsbildenden Schulen – oder gibt es da keine Unterschiede im Bereich der berufsbildenden Schulen?
Rückblickend war es jedenfalls richtig, für die verschiedenen Bereiche der schulischen Berufsbildung einen Qualitätsrahmen vorzugeben, im Detail aber getrennte Entwicklungen zuzulassen. Qualitätsmanagementsysteme werden, vor allem in der Umsetzung, stark von der jeweiligen Unternehmens- bzw. Schulkultur geprägt und diese wird – bei allen vorhandenen Gemeinsamkeiten – doch vom fachlichen Umfeld und Selbstverständnis der einzelnen Schulbereiche mitbestimmt. Im Umgehen mit Daten, im Abbilden der Performance durch Kennzahlen, in der Präsentation im Rahmen der Qualitätsberichte kommen die Schulkulturen ebenso zum Ausdruck wie in aktuellen Schwerpunktsetzungen, die mit speziellen pädagogischen Programmen des Schulbereichs verknüpft sind. Beispiele hierfür sind etwa die Diplom- und Abschlussarbeiten an den HTLs oder die Gender-Strategie der HTLs. Es wäre kontraproduktiv, die Schulbereiche, die sich alle zum Qualitätsrahmen von QIBB bekennen, in ihren Qualitätsprozessen völlig zu harmonisieren. Synergien bestmöglich nutzen und ein „Voneinander zu lernen“ bestmöglich unterstützen, Differenzierungen zulassen, aber nicht zum Prinzip an sich erheben - erscheint mir eine sinnvolle Perspektive.
3. Im Rahmen von QIBB gibt es seit diesem Schuljahr ein externes Evaluationsverfahren – Peer Review in QIBB. Wie schätzen Sie diesen neuen Schritt innerhalb von QIBB für die Weiterentwicklung der Qualität an den berufsbildenden Schulen in Österreich ein?
Peer Reviews gibt es erfreulicherweise schon seit einigen Jahren. Ihre Sinnhaftigkeit und ihr Nutzen ist wohl unbestritten. Eine Organisation kann von Peer Reviews genau so profitieren wie einzelne Individuen durch Einholung eines Individualfeedbacks. Eine Wirksamkeit auf die Qualitätsentwicklung können Peer-Verfahren im Gesamtsystem aber nur erreichen, wenn sie breit eingesetzt werden. Dies erscheint aber angesichts des Aufwandes schwer möglich. Trotzdem ist die Ergänzung der heute dominierenden Selbstevaluationsprozesse durch eine systematische und externe „Standortevaluation“, die in Form einer Peer-Evaluation stattfinden kann, eine Perspektive, die in der Weiterentwicklung von QIBB ernsthaft zu diskutieren ist.
4. Mit dem EQARF, dem europäischen Bezugsrahmen für die Qualitätssicherung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, ist in diesem Jahr ein europäisches Instrument verabschiedet worden, das den Mitgliedstaaten helfen soll, ihre Berufsbildungssysteme zu verbessern. Welche Chancen bietet der EQARF aus Ihrer Sicht für die österreichische Berufsbildung im Allgemeinen und für QIBB im Besonderen?
Der auf der europäischen Ebene vor einigen Jahren entwickelte CQAF war ein maßgeblicher Anstoß zur Entwicklung von QIBB. Der EQARF hat das Potential, einen neuen Entwicklungsschub auszulösen. Eine Richtung ist vorgegeben, nämlich die Abbildung der Performance des Bildungssystems und seiner Institutionen durch eine Handvoll geeignet gewählter Indikatoren. QIBB ist stark verbunden mit dem Managementansatz eines „Führens mit Zielen“. Der EQARF regt eine Weiterentwicklung dieses Ansatzes zu einem „Führen mit Zielen und Indikatoren“ an.
Danke für das Interview!







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