Wer hat was zu sagen? Interview mit Victoria PUCHHAMMER-NEUMAYER
Prof. MMag. MAS, MSc Victoria Puchhammer-Neumayer
Leiterin der Höheren Lehranstalt für Wirtschaftsingenieurwesen am TGM
Studien an der Universität Wien, der Musikuniversität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien, der Donau-Uni Krems, der University of London sowie der University of Kent, Canterbury.
Engagement in der Jugend- und Erwachsenenbildung, im Medien- und Kunstbereich, in der Wirtschaft und im Qualitätsmanagement (EFQM und Peer Review), Lektorin an Fachhochschulen.
F_1: Liebe Frau Puchhammer-Neumayer, man kann Sie als „Peer der ersten Stunde“ bezeichnen, da Sie ja in den letzten Jahren in unterschiedlichen Funktionen für Peer Review (Peer, Peer Review Organisatorin, Mentorin etc.) tätig waren – einerseits in den europäischen Leonardo da Vinci-Projekten, andererseits im Rahmen der Pilotstudie in Österreich. Woher kommt Ihre Begeisterung für Peer Review und warum hält sie an?
Ich lernte Peer Review im Rahmen eines europäischen Projekts kennen und schätzen. Vorher hatte ich bereits Erfahrungen als Assessorin für den Austrian Quality Award für Unternehmen sammeln können und war auf der Suche nach ähnlichen Verfahren für den Bildungsbereich. Das Peer Review Verfahren bot genau jene Impulse, nach denen ich gesucht hatte: Impulse zur Weiterentwicklung einer Schule in einer Atmosphäre der Wertschätzung und des Vertrauens. Grund genug für mich, alle möglichen Rollen in diesem Verfahren zu durchlaufen und mit Begeisterung dabei zu bleiben.
F_2: Was bringt Peer Review Ihrer Meinung nach einer Schule?
Peer Review bringt einer Schule eine Außensicht zu Fragestellungen, die sie selber aussucht und damit als wichtig erachtet. Dieser Blick von außen kommt von so genannten „kritischen Freunden“, den Peers.
Die Peers sind so weit entfernt, dass sie nicht betriebsblind sind, andererseits aber noch so nah, dass sie Strukturen sowie Stärken und Entwicklungspotentiale verstehen.
F_3: Was ist notwendig, damit eine Schule den größtmöglichen Nutzen aus einem Peer Review Verfahren zieht?
Da die Peers ihre Arbeit als Dienstleistung für die Schule verstehen und nicht als Kontrollorgane kommen, liegt es bei der Schule selbst, wie die Ergebnisse verwertet werden.
Der größtmögliche Nutzen kann sicher dann erzielt werden, wenn alle Schulbeteiligten, also Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern, die Schulleitung, aber auch Kooperationspartner aus der Wirtschaft, erkannte Stärken ausbauen und mögliche Entwicklungspotentiale in Angriff nehmen.
F_4: Wie sehen Sie die Zukunft des Verfahrens in Österreich im Kontext von QIBB?
Die QualitätsInitiative BerufsBildung (QIBB) ist ein umfassendes Qualitäts¬managementsystem. Es fungiert als Rahmen für einzelne Qualitätsmaßnahmen wie beispielsweise für das Peer Review Verfahren. Das bedeutet, dass dieses Verfahren die Breite und Systematik von QIBB ergänzt und ausgewählte Bereiche in der Tiefe beleuchtet.
Wenn uns Qualitätsentwicklung im Bildungsbereich ein Anliegen ist, und das steht wohl außer Diskussion, dann sollte ein derart effizientes Verfahren zum Standard gehören. Schließlich ermöglicht es nicht nur eine Außensicht, sondern stärkt auch das Selbstbewusstsein und die Eigeninitiative am Schulstandort. Darüber hinaus bringt es auch etwas atmosphärisch sehr Wichtiges in den Schulalltag: Vertrauen und eine respektvolle Begegnung aller Betroffenen.
F_5: Sie waren zuletzt als transnationale Evaluationsexpertin in einer Berufsschule in Nürnberg im Einsatz. Welche Eindrücke konnten Sie mitnehmen und was an dieser Rolle war besonders spannend für Sie?
Jeder Einblick in ein anderes Bildungssystem ist eine Bereicherung an sich. In Nürnberg kam noch als Besonderheit dazu, dass das gesamte Verfahren wissenschaftlich von Professor Wilbers von der Universität Nürnberg – Erlangen begleitet wurde. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte, weil die Systematik der Vorgangsweise eindrucksvoll zeigte, in welch kurzer Zeit ein gut zusammengesetztes Team ein Gesamtbild von einer Schule bekommt.
Danke für das Interview!







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