Wer hat was zu sagen? Interview mit Marisa KRENN-WACHE

Marisa Krenn-Wache
Mag. Marisa Krenn-Wache, MA

Schulleiterin BAKIP Klagenfurt
Lehramt für Anglistik und Pädagogik
Masterstudium für Sonderpädagogik/USA
Supervisorin (ÖSV) und NLP Master Practitioner (DNLPV)
Kinder- und Sonderkindergartenpädagogin

F_1: Liebe Frau Krenn-Wache, Ihre Schule hat im Rahmen einer Pilotstudie Ende März/ Anfang April 2009 ein Peer Review Verfahren durchlaufen. Was ist Ihre erste spontane Einschätzung bzw. Bewertung dazu (in max. 4 Sätzen)?

Meine Einschätzung: Es war viel Arbeit, aber auch eine sehr interessante Erfahrung mit Überraschungscharakter. Ergeben haben sich gute zwischenmenschliche Begegnungen und ein interessanter fachlicher Austausch. 

F_2: Was waren die größten Herausforderungen, die Ihre Schule im Rahmen des Peer Review Verfahrens zu bewältigen hatte?

Die größten Herausforderungen waren, den Bericht für das Team zu erstellen (und damit verbunden natürlich die entsprechenden Vorarbeiten, wie z. B. eine zusätzliche Fragebogenerhebung und -auswertung) und die Koordination der gewünschten Personen für den Besuch zu gewährleisten.

F_3: Was ist für ein erfolgreiches Peer Review aus Ihrer Sicht unabdingbar?

Sehr gute Peers – fachlich wie menschlich. Eine gute Teamarbeit in der Vorbereitung und Durchführung, eine klare Information für den Lehrkörper, die Bereitschaft im Lehrkörper, sich auf neue Erfahrungen einzulassen, einen langen Atem und ein gutes Konzept um Erkenntnisse zur Veränderung umzusetzen – all dies erscheint mir unabdingbar.

F_4: Welche konkreten Maßnahmen bzw. Konsequenzen hat Ihre Schule nach dem Peer Review für sich abgeleitet?

Unser Bericht kam erst in der vergangenen Woche (Anm.: Anfang Juni) – wir müssen die Ergebnisse im Rahmen einer Steuergruppensitzung diskutieren und Planungsschritte überlegen. Ich habe als Basisinformation eine punktuelle Auflistung der Rückmeldungen für alle Kollegen/innen erstellt und in einer Konferenz kurz vorgestellt. Als zentrale Herausforderung sehe ich jedoch schon jetzt, die Ergebnisse des Peer Reviews nachhaltig für die weitere Schulentwicklung zu nutzen und sie sinnvoll mit den durch die QIBB Evaluationen gewonnenen Ergebnissen zu kombinieren, damit wir hier nutzbringende Synergien schaffen und die nächsten Prioritäten erkennen können. Ich hoffe, dass wir die Ergebnisse nutzen können, um kleine Verbesserungsschritte einzuleiten bzw. fortzusetzen – wobei es immer darum gehen muss, dass sich für den/die Schüler/in im Klassenzimmer etwas ändert, d. h. das veränderte Handeln im Klassenzimmer muss das Ziel unserer Bemühungen sein. Das ist der entscheidende Punkt, und hier bedarf es auch entsprechender Unterstützungsstrukturen (Personalentwicklung, Verbesserung der Lehrer/innenaus- und Fortbildung, mittleres Management, Stärkung der Rolle der SQPM etc.)

F_5: Worin sehen Sie Chancen, worin eventuelle Risiken von Peer Review als Evaluationsinstrument für die berufsbildenden Schulen?

Als Chancen sehe ich die gute Akzeptanz im Kollegium durch die Peer-Ebene, die zunehmende Professionalisierung von Lehrkräften durch die Ausbildung von Peers (Lehrkräfte brauchen vor allem „Tools“, die sie im Klassenzimmer anwenden können bzw. heutzutage verstärkt bestimmte zusätzliche Kompetenzen!), aber auch durch die konkrete Erfahrung während des Review Prozesses mit den Peers. Eine weitere Chance ist die Erweiterung der eigenen, schulspezifischen Sichtweisen durch den „Fremdblick“. Die Einbindung von Schülern/innen und Absolventen/innen in den Review Prozess stellt gelebte Schuldemokratie in den Mittelpunkt und bringt wichtige Hinweise auf zu wenig beachtete Aspekte. Die Schüler/innen und Absolventen/innen fühlen sich mit ihren Meinungen wahr- und ernst genommen, und das war sicherlich einer der positivsten Effekte des Peer Reviews.

Als mögliche Risiken sind festzustellen: Lehrer/innen evaluieren die Schule, d.h. sie haben eventuell zu wenig „Betriebsfremdheit“ für Veränderungsbedarf. Die eigene Betriebsblindheit behindert womöglich fachlich wichtige Fragestellungen für die Peers. Ein weiteres Risiko ist, dass die Implementierung der Erkenntnisse dem Schulalltag zum Opfer fällt – der Aufwand produziert „nur“ ein nettes Papier. Es gilt auch zu bedenken, dass einer Evaluation, die sich ausschließlich im eigenen Terrain bewegt, auf Dauer eventuell die Kraft für die gezielte Veränderung fehlt. Ein weiteres Risiko ist die Wahrnehmung einer zusätzlichen zeitlichen Belastung in einer bereits „entwicklungsbelastenden“ Zeit (QIBB ...) – damit verbunden könnten negative Reaktionen bei Lehrern/innen sein. Hier braucht es Strukturen bzw. Rahmenbedingungen, um die Zusatzanforderungen an die Lehrkräfte konstruktiv aufzuteilen und um die Schulentwicklung langfristig und vor allem nachhaltig voranzutreiben (s. oben).

F_6: Was würden Sie Schulen raten, die ein Peer Review Verfahren durchlaufen wollen? Haben Sie bestimmte Tipps oder Hinweise?

Sehr wichtig ist eine gute Einbindung des Kollegiums bei der Erörterung und Festlegung der Bereiche, die untersucht werden sollen – dies erhöht die Akzeptanz und die Bereitschaft an der Arbeit zur Implementierung von Ergebnissen.

Danke für das Interview!

nach oben

<<zurück

ISO9001