Wer hat was zu sagen? Interview mit Dieter EULER
Prof. Dr. Dieter EULER
Zur Person:
Dieter Euler hat Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftspädagogik und Sozialphilosophie in Trier, Köln und London studiert. Seit Oktober 2000 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik und Bildungsmanagement an der Universität St. Gallen. Darüber hinaus ist er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesinstituts für Berufsbildung sowie Gründer und Vorsitzender des Awarding Bodies für die Akkreditierung von technologieunterstützten Bildungsprogrammen bei der European Foundation for Management Development (EFMD) in Brüssel.
F_1: Herr Euler, Sie haben im Jahr 2005 eine Expertise unter dem Titel „Qualitätsentwicklung in der Berufsbildung“ veröffentlicht, die von der deutschen Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) beauftragt wurde. Was waren Ihre wesentlichsten Erkenntnisse und hat sich in den vergangenen 3-4 Jahren etwas verändert?
Interessant und etwas erwartungswidrig ist für mich die Tatsache, dass sowohl im allgemeinbildenden Schulbereich als auch in den Hochschulen viel Bewegung in Sachen Qualitätsentwicklung besteht, während sich die Ansätze in der Berufsausbildung noch eher zaghaft zeigen. Zudem wird deutlich, dass sich Qualitätsentwicklung offensichtlich nicht ganz von den organisatorischen und kulturellen Kontexten lösen kann, in denen sie realisiert werden soll. So zeigt sich beispielsweise die Tendenz, dass in einem öffentlichen Schulwesen, das bislang stärker durch den Kontroll- und Aufsichtsgedanken bestimmt wurde, das Qualitätsthema eher als Qualitätskontrolle denn als Qualitätsentwicklung aufgegleist wird.
Qualitätsentwicklung erfordert eine kulturelle Grundlage - wenn diese fehlt, bleibt sie häufig äußerlich und wird zu einer bürokratischen Pflichtübung. Dies erfordert Geduld und eine gewisse Beharrlichkeit in der Umsetzung von Qualitätskonzepten. Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, wenn häufig zunächst noch eine gewisse Diskrepanz klafft zwischen der politischen Programmatik und konkreten Umsetzungen vor Ort.
F_2: Wir haben Sie eingeladen, bei der Qualitätskonferenz in Wien eine Keynote zu geben (siehe oben). In diesem Zusammenhang haben Sie auch einen Blick auf die österreichische Qualitätsinitiative QIBB geworfen. Was halten Sie denn von den Entwicklungen in Österreich und wie steht Österreich aus Ihrer Sicht im internationalen Vergleich da?
Ich halte die Ansätze für gut und kompetent aufgegleist und daher für sehr unterstützenswert. Aber bei aller Euphorie am Anfang gilt das Prinzip des langen Atems auch für die österreichischen Bemühungen. Wie sagen die Engländer so schön: Der Erfolg eines Gerichts zeigt sich beim Essen, nicht beim Kochen. Insofern Gratulation zum Start, aber der Weg hat noch eine lange und gelegentlich auch steinige Strecke.
Die Diskussionen in Wien zeigte zudem das ganze Spektrum an Einstellungen, Meinungen und Positionen - insofern wird es kein Selbstläufer, sondern es ist noch einiges an Überzeugungsarbeit erforderlich.
F_3: Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die EU-Bildungspolitik (auch zur Qualitätsentwicklung und sicherung) für die nationalen Entwicklungen?
Europa wurde lange vernachlässigt, auch und gerade in der Berufsbildungspolitik. Mittlerweile stehen die Diskussionen über den EQF sowie EC-VET häufiger auf der Agenda, und so langsam gerät auch das Common Quality Assurance Framework in den Blick. Welche Implikationen diese Entwicklungen konkret und mittelfristig auf die nationale Berufsbildungspolitik haben werden, ist schwer zu prognostizieren. Es scheint mir aber sicher, dass die europäischen Dokumente und Diskussionen einen wichtigen Bezugsrahmen für die Gestaltung zukünftiger Reformen haben werden.
F_4: Eine abschließende Frage: In Ihrem Vortrag am 6. Oktober in Wien haben Sie unter anderem Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung von Qualitätsentwicklung im Bildungsbereich formuliert. Wenn Sie eine davon hervorheben müssten – welche ist noch essentieller als alle anderen und warum? Oder anders gefragt: Worauf müssen Qualitätsinitiativen wie bspw. QIBB immer und immer wieder achten?
Der Lackmustest für eine ernsthafte Qualitätsarbeit scheint mir in der Bereitschaft zu liegen, die Feststellung von Qualität nicht alleine der Selbstevaluation der Lehrenden zu überlassen, sondern verstärkt die Fremdevaluation durch Externe einzubeziehen. Man kann nicht Richter und Anwalt in der gleichen Sache sein, man kann nicht den Hund auf die Wurst aufpassen lassen. Insofern ist das noch nicht sehr verbreitete Prinzip zu stärken, sich auch in der Qualitätsentwicklung dumm zu stellen, um klüger zu werden. Stärken sind keine, wenn sie lediglich von Selbstbehauptungen ausgehen - Der Gast, nicht der Koch beurteilt die Qualität des Menüs.
Danke für das Interview!
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