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ARQA-VET NEWS 08 | 30. April 2009

1. Datengestützte Schulentwicklung – wozu?
2. Good Practice: HTL-Mössingerstraße Klagenfurt
3. Literatur- und Veranstaltungshinweise
4. Neu und interessant im WWW
5. Sparkling Science – neu bei der OeAD-GmbH

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesen ARQA-VET NEWS lesen Sie zum ersten Mal einen Gastbeitrag (siehe unter 1.) – ein neues Format, das wir in der Zukunft immer wieder nutzen werden, um fokussiert ein wichtiges Thema aufzugreifen.
Noch eine Information vorweg: Wir haben die Möglichkeit, über eine Empfehlung unseres Newsletters ein Buch Ihrer Wahl zu gewinnen, bis zum 20. Mai verlängert (genauere Infos in den NEWS 07) – weiter empfehlen und gewinnen!

Datengestützte Schulentwicklung - wozu?

Gastbeitrag von MR Mag. Edwin Radnitzky (BMUKK, Abt. I/3, Bildungsforschung und Qualitätsentwicklung)

Edwin RadnitzkyIm Kern geht es um die scheinbar harmlose Feststellung, dass wir die Qualität einer Sache oder eines Prozesses im Hinblick auf eine bestimmte Zielsetzung nur dann seriös erhalten oder steigern können, wenn wir uns immer wieder vergewissern, ob wir tatsächlich auf einem Erfolg versprechenden Weg sind, wenn wir unsere Produkte oder Aktivitäten also evaluieren (lassen). Die Fragen, wer sich da vergewissern soll, in wessen Auftrag und wie, wann und wo das geschieht, sind schon deutlich brisanter; sie alle münden in die eine Frage nach dem Zweck. Wer hat welches Interesse daran, dass Qualität überprüft wird? Denn irgendwie steht sie ja ständig auf dem Prüfstand, so viel steht fest.

Was Schule und Unterricht betrifft, sind verschiedene Interessenslagen im Spiel. Die Leistungen von Schüler/innen werden andauernd überprüft, und wenn alles gut geht, geschieht dies in einer Weise, die ihrer Entwicklung zugute kommt. Professionell handelnde Lehrer/innen haben ein Interesse daran, sich Rückmeldungen zu holen, Eltern wollen schlicht die bestmögliche Schule für ihre Kinder haben. Und solange es ein öffentliches Schulwesen gibt, ist der Staat verpflichtet, sich um die Qualität seiner Bildungsinstitutionen zu kümmern. Die Wirtschaft meldet sich zu Wort … - die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.

Wo gegensätzliche Interessen aufeinander prallen, wo verdeckte Motive wirken, wird getrickst. Und selbst bei ehrlichem Bemühen sind wir nicht gefeit gegen „blinde Flecken“ in unserer eigenen Wahrnehmung. Das wird sich nie ganz vermeiden lassen. Es gibt aber ein Mittel, die Unschärfe zu reduzieren: Daten.

Was verstehen wir unter Daten? Sehen wir nach bei Q.I.S. – Qualität in Schulen: Daten, heißt es da, seien „Träger von Informationen, die aus empirischen (also auf Erfahrungen beruhenden) Erhebungen resultieren (z.B. mittels Fragebogen oder Interviews). Daten können in qualitativer (z.B. als Sprachäußerungen in Interviews) oder quantitativer Form vorliegen (z.B. als Mehrfachwahlantworten in einem Fragebogen, denen Zahlen zugewiesen werden)“ (www.qis.at/Glossar.htm). Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „weichen“ und „harten“ Daten. Das ist nicht unwichtig, denn die schlechte Nachricht folgt auf dem Fuße: „Daten als solche haben noch keine Aussagekraft. Sie bedürfen angemessener Methoden der Aufbereitung, Auswertung und Interpretation“ (ebda). In unserer Hemisphäre haben in der Regel jene die besseren Karten, die über „harte“ Daten verfügen, über Zahlen und Fakten, sie haben den Nimbus des Unangreifbaren; dementsprechend heftig sind auch die Bestrebungen, alles und jedes zu quantifizieren. Das ändert aber nichts an der Bedeutsamkeit „weicher“ Daten, und gerade aus der Schule wissen wir aus Erfahrung, dass der Qualität mit Zahlen alleine nicht beizukommen ist. Dass diese Einsicht gerade dort nicht selten als Argument gegen Evaluation und datengestützte Entwicklungsarbeit als solche missbraucht wird, steht auf einem anderen Blatt.

Letztlich gilt: „Without data you are just another person with an opinion“ - ein mittlerweile geflügelter Satz. Auf die Erhebung und Interpretation relevanter Daten zu verzichten, hieße nämlich, sich vom Professionalitätsanspruch zu verabschieden. Und wer will sich das schon nachsagen lassen? Ein Blick ins Innere unseres Schulsystems zeigt allerdings, dass hier einiger Nachholbedarf besteht. Was wissen wir tatsächlich über die Qualität des Unterrichts der Lehrkraft X? Über die Qualität der Schule Y und die Aussagekraft ihrer Abschlusszeugnisse? Über die Qualitätskriterien der Schulaufsicht oder die Wirksamkeit ministerieller Maßnahmen? Herzlich wenig. Wir haben wesentliche Daten nicht, und vor allem keine solchen, die wir sinnvoll zueinander in Beziehung setzen könnten. Und die spärlichen Daten, die wir haben, nutzen wir zu wenig – auf allen Ebenen.

Gerade darum ist die QualitätsInitiative BerufsBildung QIBB so verdienstvoll. Erstmals wird hier versucht, ein durchgängiges System der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung auf Schulebene, auf regionaler und Bundesebene einzurichten. Dass die systematische Generierung und Nutzung relevanter Daten, möglichst auch „harter“, dabei noch in den Kinderschuhen steckt, darf nicht verwundern. Wir sind von einer inputorientierten, hierarchisch orientierten Anordnungskultur geprägt und tun uns dementsprechend schwer, Feedback von Kritik zu unterscheiden und Fehler auch als Entwicklungschance zu begreifen. Aber wir arbeiten daran!

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 Good Practice: HTL-Mössingerstraße Klagenfurt

In dieser Ausgabe der ARQA-VET NEWS stellen wir ein weiteres Beispiel guter Praxis für die Arbeit an und zur Qualität vor. Wir haben dem Schulleiter der HTL-Mössingerstraße in Klagenfurt, Hubert Lutnik, sowie dem QM-Team auch dieses Mal sechs Fragen gestellt, die Sie unter www.arqa-vet.at/qualitaet/good_practice/htl_klu/  ausführlich nachlesen können.

SchullogoDIE SCHULE:
Höhere technische Bundeslehranstalt
Mössingerstraße 25
9020 Klagenfurt

Website: www.htl-klu.at

Das Q-Team:

Hubert Lutnik Johann KlanschekGernot Opriessnig

v. l.n.r.: Dipl.-Ing. Hubert LUTNIK (Schulleiter), Dipl.-Ing. Johann KLANSCHEK, Dipl.-Ing.Dr.techn. Gernot OPRIESSNIG (SQPM)

1. Können Sie uns Ihre Schule in wenigen Sätzen vorstellen?

Die HTL–Mössingerstraße ist eine moderne innovative und zugleich traditionsreiche Schule im Herzen der Kärntner Landeshauptstadt. Über 1000 Schülerinnen und Schüler werden von dem 125 Personen umfassenden Lehrkörper in klassischen allgemeinbildenden Fächern ebenso wie in technischen Gegenständen unterrichtet. Letztere gliedern sich in Fachtheorie und Fachpraxis. Neben den 5-jährigen Ausbildungsformen auf dem Gebiet der Elektrotechnik bzw. Elektronik, die mit der Matura abgeschlossen werden, wird auch die mehr praxisbezogene Fachschule für Computer- und Kommunikationstechnik angeboten. Die HTL für Berufstätige, besser bekannt als Abendschule, die auch mit der Matura abgeschlossen wird, komplettiert das breite Ausbildungsangebot.

2. Wie ist an Ihrer Schule das Qualitätsmanagement organisiert?
Das Qualitätsmanagement wird an der HTL-Mössingerstraße, so wie vieles Andere auch, von der Kollegenschaft zusätzlich zur Lehrtätigkeit betreut. Bei der Bewältigung des recht umfangreichen Arbeitspensums wird darauf geachtet … (mehr).
Naturgemäß liegt die Endverantwortung für die organisatorische Abwicklung der zahlreichen Aufgaben beim Schulqualitätsmanager Dipl.-Ing. Dr. Gernot Opriessnig. Die datengestützte Schulentwicklung … (mehr).

3. Hat die Einführung von QIBB Ihre Schule verändert und falls ja, wie?
Die Einführung von QIBB hat an der Schule ein neues Bewusstsein geschaffen. Durch die laufende Beschäftigung mit dem Thema wurde vielen ein zusätzlicher Blickwinkel auf ihr Aufgabengebiet eröffnet. Die Möglichkeit … (mehr).

Die Schwerpunktsetzung durch QIBB fördert die längerfristige Planung ebenso wie die Vergleichbarkeit und damit auch Koordinierbarkeit der Aktivitäten. Zusätzlich ist durch die regelmäßige Berichtserstellung eine laufende Erfolgskontrolle bezüglich vorgesehener Maßnahmen möglich – eine Möglichkeit, die auch ausgiebig  genutzt wird.
 
Um neben der internen Evaluation auch eine externe zu erhalten, wurde vor kurzem ein Peer Review durchgeführt. Dabei wurden im Speziellen die Schuleingangsphase, das Marketing und die Mädchenförderung unter Berücksichtigung des Genderaspektes behandelt … (mehr).

4. Was ist aus Ihrer Sicht unbedingt notwendig, damit QIBB gelingt und den Schulalltag nachhaltig verändert?
Das Leben an einer Schule wird durch viele Personen getragen: SchülerInnen wie LehrerInnen ebenso wie die Administration … (mehr).

5. Was sind Ihrer Meinung nach die Stärken von QIBB? Was könnte verbessert werden?
Die große Stärke des QIBB-Prozesses ist die klare Strukturiertheit – sie ist aber zugleich eine ebenso große Schwäche … (mehr).

6. Welchen Themen bzw. Projekten werden Sie sich in den nächsten Jahren konkret im Hinblick auf Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung widmen?
Ein zentraler Schwerpunkt für die Zukunft an unserer Schule stellt neben dem Individualfeedback das Themengebiet „Individualisierung“ dar. Dabei geht es darum, das Angebot an der Schule so zu gestalten, dass … (mehr).

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  Literatur- und Veranstaltungshinweise 

Literaturempfehlungen rund um das Thema Qualität:

Öffnung von Arbeitsmärkten und BildungssystemenLassnigg, Lorenz/ Babel, Helene/ Gruber, Elke/ Markowitsch, Jörg (Hrsg.): Öffnung von Arbeitsmärkten und Bildungssystemen. Beiträge zur Berufsbildungsforschung. (Innovationen in der Berufsbildung Bd. 6) Innsbruck: Studienverlag 2009. ISBN 978-3-7065-4709-3 (444 Seiten, Preis: 36,90).

Migration, Mobilität und Integration und die daraus resultierende Notwendigkeit der Öffnung von Arbeitsmärkten und Bildungssystemen sind eine große Herausforderung für Österreich, aber auch für die Europäische Union. Die 1. Österreichische Konferenz für Berufsbildungsforschung (3.-4. Juli 2008 in Steyr) stellte dieses Thema ins Zentrum und bot darüber hinaus eine Werkschau der österreichischen Berufsbildungsforschung und verwandter Gebiete.

zusätzliche Informationen

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Qualität entwickeln – Standards sichern – mit Differenz umgehen.Oelkers, Jürgen/ Reusser, Kurt: Qualität entwickeln – Standards sichern – mit Differenz umgehen. (Bildungsforschung Bd. 27) Bonn, Berlin 2008.
(Kurzfassung: 28 Seiten, Langfassung: 577 Seiten, gratis zu bestellen beim deutschen BMBF)

Diese Studie beschäftigt sich mit der Frage, wie Bildungsstandards im Kontext nationaler Bildungssysteme wirkungsvoll „implementiert“ werden können. Sie wurde im Auftrag der Bildungsministerien Deutschlands, Österreichs, Luxemburgs sowie der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren ausgearbeitet. Nach Diskussion zentraler Konzepte (Input- vs. Outputsteuerung, Bildungsstandards, Kompetenzen, Accountability bzw. Rechenschaftslegung, Implementation) sowie einem Vergleich der Situation in den USA, den Niederlanden, Schweden und England legt die Studie dar, dass die Implementation von Bildungsstandards nur gelingen kann, wenn es eine Gesamtstrategie gibt, d.h. eine die System-, Schul- und Unterrichtsebene umfassende Strategie. Bildungsstandards sind ein zentraler Teil der Qualitätspolitik im Schulwesen.

Kurzfassung der Studie zum Download hier

Langfassung zum Download hier

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Termine:
> Veranstaltung "Europa im Klassenzimmer" am 5. Mai 2009 in Wien (mehr)
> ECVET – Konferenz am 5. Juni 2009 (mehr)
> Wahlen zum Europäischen Parlament am 7. Juni 2009 (Infos dazu auf einer wirklich guten Homepage
> Workshop der AG BFN (Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz) „Prüfungen und Zertifizierungen in der beruflichen Bildung: Anforderungen – Instrumente – Forschungsbedarf“, 17./18.9.2009 in Nürnberg

> 1. Qualitätsnetzwerk-Konferenz für die Berufsbildung in Österreich, veranstaltet von ARQA-VET, am 5. Oktober 2009 in Wien: „Plan – do – check – und dann?“ Registrierung ab 29. Mai 2009 auf www.arqa-vet.at

Weitere interessante Termine finden Sie unter:
www.arqa-vet.at/information/termine

  Neu und interessant im WWW

Links mit Informationen und Publikationen zum Download:

> ibw-Forschungsbericht Nr. 146: Arthur Schneeberger, Alexander Petanovitsch, Harald Hable: HTL und Qualifikationsbedarf der Wirtschaft.
Analysen zur Arbeitsmarktlage und europäischer Vergleich (Info und freier Downlaod: PDF, 131 Seiten, 490 kb) (mehr)
> AMS info 128: Arbeitsmarkt & Bildung – Jahreswerte 2008
(PDF, 4 Seiten, 148 kb (mehr) 
> CEDEFOP-Publikation: Terminology of European education and training policy.
A selection of 100 key terms (in sechs Sprachen: EN, ES, DE, FR, IT, PT);
zum Download. 
> Konferenzdokumentation „Qualität in der beruflichen Bildung“ vom 6.10.2008 zum Download hier; wenn Sie die Broschüre in der gedruckten Version bekommen wollen, bestellen Sie sie gratis bei konferenz2008@arqa-vet.at

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 Sparkling Science - neu bei der OeAD-GmbH

Sparkling Science LogoDas Angebot der OeAD-GmbH wurde im März um das Programm Sparkling Science erweitert. Sparkling Science wurde Ende 2007 vom BMWF zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschafts- und Bildungssystem aus der Taufe gehoben und fördert Projekte aus allen Wissenschaftsfeldern, in denen Schülerinnen und Schüler aktiv in den Forschungsprozess einbezogen werden. Im Rahmen der ersten Förderschiene werden derzeit 32 Projekte aus dem Bereich Wissenschaft gefördert.  Im Rahmen der zweiten Linie des Programms unterstützt das BMWF darüber hinaus 26 Schulforschungsprojekte mit Forschungsprämien von jeweils bis zu 5.000 Euro.

Die nächste Ausschreibung zur Teilnahme startet Ende April, die Einreichfrist endet am 2. Juni, 12.00 Uhr mittags. Nähere Informationen und Einreichunterlagen finden Sie unter www.sparklingscience.at.

Eine Erinnerung zum Schluss, die uns als europäischem Netzwerk-Knoten wichtig ist: Beteiligen Sie sich bei den EU Parlamentswahlen am 7. Juni – denn Europa sind wir alle und die Möglichkeiten, dieses Europa mitzugestalten, sollten wir nicht ungenutzt lassen.

Es grüßt herzlich 
das ARQA-VET-Team

Impressum:
Herausgeber der ARQA-VET NEWS:
Österreichische Referenzstelle für Qualität in der Berufsbildung
bei der OeAD-GmbH
Schottengasse 7, 1010 Wien
www.arqa-vet.at   .   arqa-vet@oead.at

Für den Inhalt verantwortlich:
Gabriela Nimac, Franz Gramlinger und Michaela Jonach

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