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ARQA-VET-NEWS 04 | 12. November 2008

1. Das war die Konferenz am 6.10.2008
2. Wer hat was zu sagen? Dieter Euler!
3. Literatur- und Veranstaltungshinweise
4. Linktipps

 

 Das war die Konferenz am 6.10.2008


Die gemeinsam von ARQA-VET und der Nationalagentur Lebenslanges Lernen am 6. Oktober 2008 in Wien veranstaltete Konferenz zum Thema „Qualität in der beruflichen Bildung“ kann als großer Erfolg bezeichnet werden. Mit insgesamt 157 Teilnehmer/innen wurden die ursprünglichen Erwartungen hinsichtlich der Beteiligung deutlich übertroffen. Besonders freuen wir uns darüber, dass die Teilnehmer/innen/struktur breit gefächert war: Neben Personen aus dem BMHS-Bereich und dem dualen System waren auch Teilnehmer/innen aus der Weiterbildung und aus Unternehmen mit umfangreichen Ausbildungsprogrammen dabei. Diese starke Durchmischung hat aus unserer Sicht zu besonders interessanten Diskussionen und Beiträgen geführt und bereichsübergreifendes „Networking“ ermöglicht.

Noch kurz zu den wesentlichen Inhalten der Konferenz, die Sie großteils schon auf der Konferenz-Homepage www.qualitaet-in-der-berufsbildung.at nachlesen können:
In seiner Eröffnungsrede betonte Sektionschef Theo SIEGL (bm:ukk), dass die seit dem Jahr 2006/2007 flächendeckend umgesetzte QualitätsInitiative BerufsBildung (QIBB) für die gesamte Sektion Berufsbildung die zentrale Initiative geworden ist und als internationales Vorzeigeprojekt in Europa gilt. Im Mittelpunkt von QIBB muss, so Theo Siegl, der einzelne Schüler /die einzelne Schülerin stehen, und alle Bemühungen müssen vor diesem Hintergrund reflektiert werden.

Dieter EULER (Universität St. Gallen, CH) bezog sich in seiner Keynote auf die Chancen und Risken, die mit dem Thema Qualitätssicherung in der Berufsbildung in Verbindung stehen. Qualitätsmanagement sollte aus seiner Sicht den heterogenen Bedingungen von Schulen, Klassen, Lehrenden und Lernenden gerecht werden. Dabei muss sowohl Bürokratismus als auch falscher Perfektionismus vermieden werden. Die Grundfrage, welchen Nutzen qualitätssichernde Maßnahmen wem bringe, sollte laut Euler nie aus dem Blickfeld geraten.

Elisabeth WATTERS (EU-Expertin, IE) ging in ihrem Beitrag auf die europäische Dimension des Themas Qualität in der Berufsbildung ein. Sie wies darauf hin, dass eine hohe Qualität der europäischen Berufsbildungssysteme als zentraler Faktor für erfolgreiche europäische Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik einzustufen ist. Die Qualität der und das Vertrauen in die nationalen Berufsbildungssysteme werden außerdem ausschlaggebend für die erfolgreiche Implementierung weiterer wichtiger bildungspolitischer Instrumente in Europa (z. B. ECVET, EQF/NQR) sein.

Jürgen HORSCHINEGG (bm:ukk, Vorsitzender von ENQA-VET) ging in seinem Beitrag auf die Rolle und die Aufgaben des Europäischen Netzwerks für Qualität in der Berufsbildung (ENQA-VET) ein. Er spezifizierte weiters die Kernaufgaben von ENQA-VET, d. h. konkret die Entwicklung, Verbreitung und Bewerbung von „best practice and governance“ auf dem Gebiet der Qualitätssicherung in der Berufsbildung in Europa auf System- und Anbieterebene.

Peter HÄRTEL (Steirische Volkswirtschaftliche Gesellschaft) fokussierte in seinem Beitrag „Beratung und Orientierung als Schlüsselthemen für Bildung und Beruf“ auf die Bedeutung dieses Themas, das in der EU-Bildungspolitik ein zentrales ist, auch für die österreichische Berufsbildung.

PlenumDie durchwegs gut besuchten Workshops am Nachmittag waren folgenden Themen gewidmet: Qualität in der beruflichen Erstausbildung – status quo?! (WS 1), Peer Review – ein externes Evaluationsverfahren zur Qualitätssicherung (WS 2) sowie Beratung und Orientierung – Schlüsselthemen für Bildung und Beruf (WS 3). Zusammengefasst wurden die zentralen Ergebnisse aus den Workshops von Klaus FAHLE (Nationale Agentur Bildung für Europa beim BIBB, DE). Er leistete außerdem die schwierige Aufgabe, eine Analyse des gesamten Tages und den damit verbundenen Ausblick zu referieren.
Wir möchten an dieser Stelle allen Teilnehmer/innen ausdrücklich für ihr reges Interesse am Qualitätsthema sowie den konstruktiven Fragestellungen und Diskussionsbeiträgen im Rahmen der Konferenz danken! Wir haben uns, um eine nachhaltige Ergebnissicherung zu gewährleisten, darum bemüht, die Konferenzinhalte möglichst detailliert für Sie auf unserer Homepage zu dokumentieren:

Auf www.qualitaet-in-der-berufsbildung.at gibt es außerdem genauere Informationen zu den Referent/innen, Hintergrunddokumente zum Thema Qualität in der Berufsbildung und natürlich zur Organisation und zum Ablauf der Konferenz.
Wir freuen uns über Ihre Fragen und Kommentare zur Konferenz und zur Konferenzdokumentation. Bitte mailen Sie einfach an: konferenz2008@arqa-vet.at

 Wer hat was zu sagen? Interview mit Dieter EULER!

Prof. Dr. Dieter Euler Prof. Dr. Dieter Euler

Zur Person:
Dieter Euler hat Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftspädagogik und Sozialphilosophie in Trier, Köln und London studiert. Seit Oktober 2000 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik und Bildungsmanagement an der Universität St. Gallen. Darüber hinaus ist er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesinstituts für Berufsbildung sowie Gründer und Vorsitzender des Awarding Bodies für die Akkreditierung von technologieunterstützten Bildungsprogrammen bei der European Foundation for Management Development (EFMD) in Brüssel.

Unsere Fragen:
F_1:  Herr Euler, Sie haben im Jahr 2005 eine Expertise unter dem Titel „Qualitätsentwicklung in der Berufsbildung“ veröffentlicht, die von der deutschen Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) beauftragt wurde. Was waren Ihre wesentlichsten Erkenntnisse und hat sich in den vergangenen 3-4 Jahren etwas verändert?

Interessant und etwas erwartungswidrig ist für mich die Tatsache, dass sowohl im allgemeinbildenden Schulbereich als auch in den Hochschulen viel Bewegung in Sachen Qualitätsentwicklung besteht, während sich die Ansätze in der Berufsausbildung noch eher zaghaft zeigen. Zudem wird deutlich, dass sich Qualitätsentwicklung offensichtlich nicht ganz von den organisatorischen und kulturellen Kontexten lösen kann, in denen sie realisiert werden soll. So zeigt sich beispielsweise die Tendenz, dass in einem öffentlichen Schulwesen, das bislang stärker durch den Kontroll- und Aufsichtsgedanken bestimmt wurde, das Qualitätsthema eher als Qualitätskontrolle denn als Qualitätsentwicklung aufgegleist wird.
Qualitätsentwicklung erfordert eine kulturelle Grundlage - wenn diese fehlt, bleibt sie häufig äußerlich und wird zu einer bürokratischen Pflichtübung. Dies erfordert Geduld und eine gewisse Beharrlichkeit in der Umsetzung von Qualitätskonzepten. Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, wenn häufig zunächst noch eine gewisse Diskrepanz klafft zwischen der politischen Programmatik und konkreten Umsetzungen vor Ort.

F_2:  Wir haben Sie eingeladen, bei  der Qualitätskonferenz in Wien eine Keynote zu geben (siehe oben). In diesem Zusammenhang haben Sie auch einen Blick auf die österreichische Qualitätsinitiative QIBB geworfen. Was halten Sie denn von den Entwicklungen in Österreich und wie steht Österreich aus Ihrer Sicht im internationalen Vergleich da?

Ich halte die Ansätze für gut und kompetent aufgegleist und daher für sehr unterstützenswert. Aber bei aller Euphorie am Anfang gilt das Prinzip des langen Atems auch für die österreichischen Bemühungen. Wie sagen die Engländer so schön: Der Erfolg eines Gerichts zeigt sich beim Essen, nicht beim Kochen. Insofern Gratulation zum Start, aber der Weg hat noch eine lange und gelegentlich auch steinige Strecke.
Die Diskussionen in Wien zeigte zudem das ganze Spektrum an Einstellungen, Meinungen und Positionen - insofern wird es kein Selbstläufer, sondern es ist noch einiges an Überzeugungsarbeit erforderlich.

F_3:  Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die EU-Bildungspolitik (auch zur Qualitätsentwicklung und  sicherung) für die nationalen Entwicklungen?

Europa wurde lange vernachlässigt, auch und gerade in der Berufsbildungspolitik. Mittlerweile stehen die Diskussionen über den EQF sowie EC-VET häufiger auf der Agenda, und so langsam gerät auch das Common Quality Assurance Framework in den Blick. Welche Implikationen diese Entwicklungen konkret und mittelfristig auf die nationale Berufsbildungspolitik haben werden, ist schwer zu prognostizieren. Es scheint mir aber sicher, dass die europäischen Dokumente und Diskussionen einen wichtigen Bezugsrahmen für die Gestaltung zukünftiger Reformen haben werden.

F_4:  Eine abschließende Frage: In Ihrem Vortrag am 6. Oktober in Wien haben Sie unter anderem Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung von Qualitätsentwicklung im Bildungsbereich formuliert. Wenn Sie eine davon hervorheben müssten – welche ist noch essentieller als alle anderen und warum? Oder anders gefragt: Worauf müssen Qualitätsinitiativen wie bspw. QIBB immer und immer wieder achten?

Der Lackmustest für eine ernsthafte Qualitätsarbeit scheint mir in der Bereitschaft zu liegen, die Feststellung von Qualität nicht alleine der Selbstevaluation der Lehrenden zu überlassen, sondern verstärkt die Fremdevaluation durch Externe einzubeziehen. Man kann nicht Richter und Anwalt in der gleichen Sache sein, man kann nicht den Hund auf die Wurst aufpassen lassen. Insofern ist das noch nicht sehr verbreitete Prinzip zu stärken, sich auch in der Qualitätsentwicklung dumm zu stellen, um klüger zu werden. Stärken sind keine, wenn sie lediglich von Selbstbehauptungen ausgehen - Der Gast, nicht der Koch beurteilt die Qualität des Menüs. 
 

 Literatur- und Veranstaltungshinweise

Auch in diesem Newsletter gibt es wieder zwei Literaturtipps. Es handelt sich dabei um Publikationen, die wir auch im Hinblick auf unsere eigene Arbeit für wichtig halten:

Ehses, Christiane/ Zech, Rainer: Lernerorientierte Qualitätstestierung für Schulen. Leitfaden für die Praxis. Modellversion 2. Hannover: Expressum 2007 (83 Seiten, 8 Euro)

LQS steht für „Lernerorientierte Qualitätstestierung für Schulen“ und stellt ein Qualitätsentwicklungs- und Testierungsverfahren dar, das die Kernprozesse von Schulen in den Mittelpunkt stellt. Es basiert auf interner Evaluation der gesamten Schule und externer Begutachtung.
Der LQS-Leitfaden für die Praxis ist eine wichtige Arbeitshilfe im Qualitätsprozess. Er informiert über das Qualitätsentwicklungs- und –testierungsmodell, und er enthält eine Anleitung für die Anwendungspraxis und die Qualitätsbereiche mit ihren Anforderungen. Direkt neben den Tabellen der Qualitätsbereiche finden Sie das Glossar integriert. Die Qualitätsbereiche mit ihren Spezifikationen und Anforderungen sowie die jeweiligen Erläuterungen dazu sind so auf einen Blick erfassbar. Der Qualitätsprozess ist in seinen einzelnen Schritten und Stationen ausführlich erläutert. Auch das administrative Verfahren und der Ablauf der Testierung sind im Praxisleitfaden enthalten. Immer wieder finden sich Hinweise auf die entsprechenden Arbeitshilfen und Querverweise.

Außerdem enthält der Praxisleitfaden drei Exkurse mit theoretischen Hintergrundinformationen zum Modell. Diese dienen einem vertieften Verstehen für interessierte Leserinnen und Leser. Der Leitfaden ist aber auch ohne die Exkurse verständlich.
Unter 4. Linktipps finden Sie auch noch eine Information zu LQS.

Richter, Andy: Qualitätsmanagement als Gegenstand der Berufsbildung. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag 2006 (384 Seiten, 35 Euro)

Liegt im Qualitätsmanagement ein Potenzial zur Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz? Worin besteht dieses gegebenenfalls und wie kann es in der Berufstätigkeit wirksam werden? Unter diesen Fragestellungen werden die Prinzipien des Qualitätsmanagements herausgearbeitet. Eine explorative Studie erhebt empirisch die Bedeutung von Kompetenzen in dementsprechenden Arbeitsumgebungen. Mit Bezug auf Bildungstheorie sowie auf das Konzept beruflicher Handlungskompetenz erfolgt die Konstruktion eines »berufspädagogischen Reflexionsrahmens«, mit dessen Hilfe grundlegende Elemente des Qualitätsmanagements hinsichtlich ihrer Relevanz für Lernen, Kompetenzentwicklung und Bildung analysiert und reflektiert werden.
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Außerdem möchten wir Sie noch auf eine Veranstaltung hinweisen:
Das Institut für höhere Studien (IHS) veranstaltet gemeinsam mit dem bm:ukk am 24.11.2008 eine Tagung zum Thema „Evidenzbasierte Entwicklung des Bildungswesens?“.
In dieser Fachtagung soll eine Standortbestimmung zur evidenzbasierten Politikgestaltung in Österreich versucht werden. Ziel der Veranstaltung ist eine substanzielle Debatte über Strukturen, Möglichkeiten und Erwartungen an Bildungsforschung und –verwaltung in Österreich, die entsprechende Perspektiven aufzeigen und einen längerfristigen Entwicklungsprozess einleiten soll.

Infos dazu auf unserer Homepage bei Terminen:
www.arqa-vet.at/information/termine/

  Linktipps

Auf www.artset-lqs.de finden Sie ausführliche Informationen zur „Lernerorientierten Qualitätstestierung für Schulen“. Dabei handelt es sich um ein eigens für Schulen konzipiertes externes Evaluationsmodell, das die Qualitätsentwicklung in Schulen unterstützen will. Neben einer ausführlichen Beschreibung des Modells können Sie sich auch zahlreiche Arbeitsmaterialien und Qualitätswerkzeuge gratis downloaden.

Kennen Sie erwachsenenbildung.at? Falls nicht, empfehlen wir die Webseite www.erwachsenenbildung.at – allerdings sollten Sie dafür schon ein wenig Zeit haben! Auf dieser sehr umfangreichen Seite finden Sie nicht nur eine Fülle von gut strukturierten Informationen, Dokumenten und weiterführenden Links zur Erwachsenenbildung, sondern es gibt neben Aktuellem (wie gerade jetzt die Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Erwachsenenbildung) ein mittlerweile beständig wachsendes Archiv des Online Magazins erwachsenenbildung.at. Gerade aktuell ist die Ausgabe 5 „Mehr als Deutschkurse. Migration und Interkulturalität in der Erwachsenenbildung“; in Vorbereitung ist das Thema „Populäre Medien“.

Schließlich möchten wir noch auf die Homepage und den Newsletter der Nationalagentur Lebenslanges Lernen hinwiesen. Die Nationalagentur gehört, wie ARQA-VET, zum Österreichischen Austauschdienst (ÖAD) und hat mit uns gemeinsam die Konferenz „Qualität in der beruflichen Bildung“ veranstaltet. Die Homepage: www.lebenslanges-lernen.at.
Der Newsletter kann abonniert werden unter: www.lebenslanges-lernen.at/article/articleview/743/1/10/

Damit grüßen herzlich für das ARQA-VET-Team

Franz Gramlinger und Michaela Jonach

Impressum:
Herausgeber der ARQA-VET NEWS:
Österreichische Referenzstelle für Qualität in der Berufsbildung beim Österreichischen Austauschdienst
Schottengasse 7
1010 Wien
www.arqa-vet.at    arqa-vet@oead.at

Für den Inhalt verantwortlich:
Franz Gramlinger und Michaela Jonach

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