1. Was ist ein “reference point”?
2. ARQA-VET Homepage > enqavet
3. Wer hat was zu sagen? Theodor Siegl!
4. Literaturhinweise und Veranstaltungen
5. Noch sechs Tage bis zur Konferenz
Was ist ein “reference point”?
ARQA-VET ist die Abkürzung für Austrian Reference Point for Quality Assurance in Vocational Education and Training; was aber ist ein “reference point” bzw. wie sollte das übersetzt werden?
Wir haben uns für die Übersetzung „Referenzstelle“ entschieden, weil es uns wichtig war, dass man damit Personen in Verbindung bringt, die etwas tun – was bei einem Referenzpunkt wohl schwerer ist als bei einer Referenzstelle.
Unter „Referenz“ steht im Duden: „ … eigtl. ‚Bericht, Auskunft’ …(…) 2. Person oder Stelle, auf die verwiesen wird, weil sei Auskunft über jmd. geben kann …“
In unserem Fall geben wir nicht Auskunft über jemanden, sondern über etwas – über das Thema Qualität in der beruflichen Bildung. Wir sind eine von mittlerweile 21 Referenzstellen innerhalb des EU Netzwerkes ENQA-VET (dazu siehe 2.) – auf unserer Homepage finden Sie Links zu allen 21 Referenzstellen unter > ENQA-VET > nationale Knoten http://www.arqa-vet.at/enqa_vet/nationale_knoten/.
Der Grund zur Einrichtung dieser Referenzstellen liegt in der Vereinbarung der 23 ENQA-VET_Mitgliedsstaaten, je eine solche einzurichten, um die gemeinsam beschlossenen Ziele durch aktive Vernetzung zu erreichen.
Damit haben wir als Netzwerkknoten die Aufgabe in zwei Richtungen konkret zu vernetzen: Einerseits von der europäischen Ebene auf die nationale und natürlich auch umgekehrt, die österreichische Arbeit im Bereich Qualität in der Berufsbildung in das EU Netzwerk einfließen zu lassen (QIBB ist bspw. eine auf europäischer Ebene viel beachtete Qualitätsinitiative!); zum zweiten ist es unser Auftrag, die österreichischen „Stakeholder“ untereinander zu vernetzen, um das Thema generell ins Bewusstsein der Akteure zu bringen und inhaltlich voran zu treiben.
Die ARQA-NEWS, unsere Homepage und die Konferenz am 6. Oktober sind Beispiele unseres “Networkings“.
www.arqa-vet.at/enqavet
Die europäische Dimension unserer Netzwerkarbeit haben wir auf unserer Homepage in der Rubrik > ENQA-VET dargestellt. Unter www.arqa-vet.at/enqa_vet finden Sie nicht nur die Beschreibung des European Network for Quality Assurance in VET mit Struktur, Arbeitsprogramm, den nationalen Knotenpunkten und vielen weiterführenden Informationen, Sie können sich in einem eigenen Unterpunkt auch informieren über die österreichischen Aktivitäten und Beteiligungen im aktuellen Arbeitsprogramm: www.arqa-vet.at/enqa_vet/das_europaeische_netzwerk/oesterreichische_aktivitaeten/ (wer macht was wann wo und warum!?)
Darüber hinaus haben wir versucht, möglichst einfach und übersichtlich, aber doch in konzentrierter und fachkundiger Form den Kopenhagen Prozess aus dem Blickwinkel der Qualitätsarbeit darzustellen und so genannte „Q-Meilensteine“ in der EU-Bildungspolitik zu identifizieren und zu erklären.
Bei Fragen zu einzelnen dieser Punkte bitte einfach ein Mail an arqa-vet@oead.at – über Rückmeldungen jeglicher Art freuen wir uns natürlich immer!

Wer hat was zu sagen? Interview mit Theodor Siegl!
Theodor Siegl leitet seit 1. September 2003 die Sektion II (Berufsbildendes Schulwesen) im bm:ukk.
Nach Realgymnasium und dem Studium der Betriebswirtschaft und Wirtschaftspädagogik folgte eine mehrjährige Wirtschaftspraxis im Tourismus und in der Wirtschaftsprüfung, und er arbeitete als Lehrer an Berufsschulen und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen; seit 1982 ist er im Unterrichtsministerium in der Sektion Berufsbildendes Schulwesen.
F1_ Herr Sektionschef: Welche Rolle spielt das Thema „Qualität“ im berufsbildenden Schulwesen Österreichs?
Qualität, Qualitätsmanagement (QM) und Qualitätssicherung (QS) sind ganz wichtige Begriffe für die berufsbildenden Schulen geworden. Das Thema beschäftigt uns jetzt schon über Jahre – ich habe das praktisch schon mit der Leitung der Sektion „übernommen“ -, mit und durch QIBB (Qualitätsinitiative Berufsbildung) hat es seit 2004 auch einen starken und sichtbaren Rahmen bekommen. Und zugleich sind wir damit immer noch relativ am Beginn. Aber wir merken im Vergleich mit anderen Ländern in der EU, dass wir nicht nur auf dem richtigen Weg sind, sondern dass wir sogar relativ weit vorne liegen.
Auch die Tatsache, dass wir vor ziemlich genau einem Jahr ARQA-VET eingerichtet haben, unterstreicht doch recht deutlich, dass für uns das Thema Qualität ein zentrales nationales und europäisches Thema ist. Bedenken Sie, dass 80 % der Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren entweder in einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule oder in einem Ausbildungsverhältnis – also im dualen System und damit auch in einer Berufsschule – sind. 4 von 5 jungen Menschen! Im Interesse unseres Schulsystems, vor allem aber im Interesse dieser jungen Menschen müssen wir alles daran setzen, die Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Ausbildung hoch anzusetzen und kontinuierlich an der Verbesserung zu arbeiten. Wir befinden uns hier in einem Wettbewerb – national und mehr und mehr international. Und wir sind gerne bereit, uns diesem Wettbewerb selbstbewusst zu stellen.
F2_ Wie beurteilen Sie QIBB als Initiative, deren Entwicklung in Ihrer Sektion 2004 gestartet wurde und die seit dem Schuljahr 2006/2007 nahezu flächendeckend in Österreich umgesetzt wird?
QIBB ist für die gesamte Sektion Berufsbildung, die Schulaufsicht und die Schulen die zentrale Initiative geworden, gleichsam unser Flagschiff. Wir haben viel Energie und viele Frau- und Mannstunden in die Konzeption und den strukturellen Aufbau investiert – jetzt sind wir an dem Punkt angelangt, an dem wir zurück- und vorausschauen müssen, um die nächsten Schritte richtig zu setzen. Wir haben gleichsam einen Rahmen gesetzt und die Organisation aufgebaut und implementiert. Es gibt unsere Q-Matrix (Q steht für Qualität; Anm. ARQA-VET), die meisten Schulen haben ein Leitbild und machen jährlich ihren Schulbericht, in den Fachabteilungen haben wir flächendeckend LQPMs – die Landesqualitätsprojektmanager bilden hoch motivierte und ausgezeichnet qualifizierte Kerngruppen! – und fast überall SQPMs (Schulqualitätsprojektmanager). Die Instrumente zur Selbstevaluation und für das Berichtswesen sind entwickelt und werden gerade überprüft, um sie nachjustieren zu können, und wir planen eine Ausbildung zum Qualitätsmanager gemeinsam mit einem tertiären Bildungsträger. Wir wissen aber auch, dass wir jetzt das Hauptaugenmerk auf die qualitative Umsetzung legen müssen – hier gibt es noch sehr viele Verbesserungsmöglichkeiten, und wir haben darum die Frage in den Mittelpunkt gestellt: „Was bringt QIBB der einzelnen Schülerin, dem einzelnen Schüler bzw. „was bringt QIBB der einzelnen Lehrerin, dem einzelnen Lehrer?“
F3_ Kann man QIBB als Erfolgsstory bezeichnen?
Ich würde sagen: ja!
Aber eine gesicherte Antwort werden wir erst in drei bis fünf Jahren geben können. Solange wird es, denke ich, dauern, bis wir nicht nur eine wirklich vollständige Implementierung und Durchdringung erreicht haben, sondern auch eine erste Evaluation durchgeführt und unsere Schlüsse daraus gezogen haben.
F4_ Was bedeutet QIBB für die einzelne Schule, für die LehrerInnen und SchülerInnen?
Wie schon eben kurz gesagt: das wird eine unserer zentralen Fragen sein. Unser Ziel muss es sein, dass für die Institution, für die einzelne Schule, QM keinen Mehraufwand und keine „Belastung“ bedeuten, sondern eine Hilfe bei dem, was sie ohnehin tut und tun will. Für die Schulen soll es ein Instrument für die Planung und Steuerung werden – für ein professionelles Management! Für die Lehrerinnen und Lehrer soll es einerseits die Möglichkeit bieten, Rückmeldungen zu bekommen – von den SchülerInnen – und Rückmeldung zu geben – an Ihre Schulleitung; andererseits sollen sie einen Raum für die aktive Mitgestaltung ihrer Schule, ihres Arbeitsplatzes bekommen. Und die Schüler und Schülerinnen brauchen von QIBB selbst gar nicht viel mitzubekommen – viel wichtiger ist, dass sie das Gefühl haben, in einer guten Schule eine gute Ausbildung zu erhalten und sich persönlich weiter zu entwickeln, und damit gut gerüstet zu sein für ihre nächsten Schritte nach dem Abschluss.
Um nochmals unser wichtigstes Ziel zu unterstreichen: QIBB muss bei den Schüler/innen „ankommen“!
F5_ Und eine letzte Frage: Wo sehen Sie unser berufsbildendes Schulwesen im Jahr 2018?
Meine Vision lautet hier:
Personell und budgetär autonome Schulstandorte schließen sich zu selbstständigen Berufsbildungszentren zusammen. Flächendeckend wird von diesen Zentren die gesamte Bandbreite arbeitsmarktrelevanter national und international anerkannter hochwertiger Ausbildungen angeboten.
Die SchülerInnen stehen im Mittelpunkt. Die Organisation der Schule und die Lehr-/Lernarrangements sind auf die SchülerInnen zugeschnitten und ermöglichen ihnen ihre persönlichen Potentiale auszuschöpfen und bieten eine gute Grundlage für persönliche und berufliche Weiterentwicklung.
Die LehrerInnen des berufsbildenden Schulwesens genießen ein hohes Sozialprestige aufgrund ihrer sichtbaren (qualitätsgesicherten) Leistungen für die Gesellschaft.
AbsolventInnen des berufsbildenden Schulwesens sind am internationalen Arbeitsmarkt sehr begehrt und ihre erworbenen Kompetenzen werden bei weiteren Bildungsgängen an Fachhochschulen und Universitäten durch kürzere Studienangebote auch zeitlich anerkannt.

Literaturhinweise und Veranstaltungen
Drei Publikationshinweise, die in Zusammenhang mit unserer Konferenz besonders interessant sind und zum Teil brandaktuell sind:
Gutknecht-Gmeiner, Maria: Externe Evaluierung durch Peer–Review. Qualitätssicherung und –entwicklung in der beruflichen Erstausbildung. Wiesbaden: VS Verlag 2008 (351, Seiten, EUR 39,90)
Peer Review ist eines der traditionsreichsten Evaluierungsverfahren im Hochschulbereich. Doch wie lässt es sich definieren und welche Anwendungsgebiete für Peer Review kommen grundsätzlich in Frage? Kann Peer Review auch im Bereich der Evaluation von beruflicher Bildung und Schule nutzbringend eingesetzt werden? Welche Chancen und welche Grenzen ergeben sich dabei? Maria Gutknecht-Gmeiner gibt in einer vergleichenden Analyse internationaler Fallstudien Antworten auf diese Fragen und nimmt eine Neu-Definition von Peer Review im Hinblick auf eine Einführung im schulischen Bereich vor. Dabei werden auch die Güte des Peer Reviews als externes Evaluationsverfahren sowie Implementierungsvarianten innerhalb der aktuellen Steuerungsparadigma auf Ebene.
Euler, Dieter: Qualitätsentwicklung in der Berufsausbildung. Materialien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung Heft 127. Bonn: Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung 2005
Der Arbeitskreis "Berufliche Aus- und Weiterbildung" der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung hat Prof. Dieter Euler von der Universität St. Gallen beauftragt, eine Expertise über den Stand der Qualitätsentwicklungsprozesse in Betrieben und berufsbildenden Schulen zu erstellen. Die Ausführungen verdeutlichen, dass die Qualitätsentwicklung in der Berufsausbildung in eine umfassende Diskussion über die Gestaltung von Qualitätssystemen in Bildungsinstitutionen sowie – im Bereich schulischer Lernorte – in die Diskussion über Schulentwicklung eingebettet ist.
Publikation zum freien Download unter: http://www.blk-bonn.de/papers/heft127.pdf
Bals, Thomas/ Hegmann, Kai/ Wilbers, Karl (Hrsg.): Qualität in Schule und Betrieb. Forschungsergebnisse und gute Praxis. Köln: Qualitus GmbH Publications 2008 (391 Seiten, EUR 28,00)
Diese Publikation dokumentiert die 15. Hochschultage Berufliche Bildung, die im Frühjahr 2008 an der Universität Erlangen-Nürnberg in Nürnberg stattfanden. Die zentrale Tagungsdokumentation nimmt die Eröffnungsansprache des bayerischen Ministerpräsidenten, den eröffnenden Fachvortrag, nach der Entscheidung der Workshop- und Fachtagungsleitungen die Dokumentationen dieser Veranstaltungen sowie diverse Kurzvorträge auf. Der Tagungsband kann im Buchhandel bestellt werden, steht aber auch als kostenloses pdf-Download zur Verfügung: http://www.opus.ub.uni-erlangen.de/opus/volltexte/2008/1100/pdf/HT2008_Tagungsband.pdf
Die Ergebnisse der 15. Hochschultage Berufliche Bildung wurden aber auch in einem größeren Umfang als Spezialausgabe 4 der Online-Zeitschrift bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online (www.bwpat.de) dokumentiert (kostenlose Dokumentation und Download von 125 Beiträgen). Weitere Informationen unter: http://www.bwpat.de/ht2008/geleit.shtml
Veranstaltungen zum Thema Qualität:
03. - 04. 11. 2008: Herbsttagung 2008 „Methoden und Wirkungen von Qualitätssicherung im Europäischen Hochschulraum“.
Veranstalter: Deutsche Hochschulrektorenkonferenz, Ort: Bonn
20. – 22.11.2008: “Trends in Quality Assurance“.
Veranstalter: European University Association; Ort: Corvinus University of Budapest
Weitere Termine plus die Links zu den Veranstaltungen unter:
www.arqa-vet.at/information/termine/

Noch sechs Tage bis zur Konferenz
In wenigen Tagen findet die von ARQA-VET und der Nationalagentur Lebenslanges Lernen gemeinsam veranstaltete Tagung zum Thema „Qualität in der beruflichen Bildung“ im NH Danube City Hotel in Wien statt.
Mit rund 150 Anmeldungen ist die Konferenz komplett ausgebucht. Wir freuen uns über das rege Interesse und auf spannende und konstruktive Diskussionen mit den TeilnehmerInnen und ReferentInnen. Die Ergebnisse unserer Tagung werden auf unserer Homepage ausführlich dokumentiert werden. Außerdem informieren wir Sie auch in unserem nächsten Newsletter über die wichtigsten Tagungsergebnisse.
Alle Infos unter www.qualitaet-in-der-berufsbildung.at

Damit grüßen herzlich für das ARQA-VET-Team
Franz Gramlinger und Michaela Jonach
Impressum:
Herausgeber der ARQA-VET NEWS:
Österreichische Referenzstelle für Qualität in der Berufsbildung beim Österreichischen Austauschdienst
Schottengasse 7
1010 Wien
www.arqa-vet.at arqa-vet@oead.at
Für den Inhalt verantwortlich:
Franz Gramlinger und Michaela Jonach
>> zur ARQA-VET Homepage